
Kinder und Jugendliche auf der Sonnebank? Ein Medien-Mythos
"Jedes fünfte Mädchen zwischen 13 und 18 geht häufig ins Sonnenstudio." (WDR, 23.10.06)
Mit solchen Aussagen (von manchen Medien und Organisationen gern noch getoppt mit Behauptungen wie "ein Viertel aller Jugendlicher geht regelmäßig ins Sonnenstudio", Zitat einer Aussage von Dr. Breitbart von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention, ADP, in einer Hamburger Tageszeitung) werden unter dem emotional wirksamen Mantel des Jugendschutzes eine staatliche Regulierung der künstlichen Besonnung (kurioserweise nur in Sonnenstudios) propagiert. Die Medien übernehmen solche Aussagen erstaunlicherweise völlig ungeprüft.
Garniert werden solche Behauptungen - wie hier im Fall WDR - durch Statments wie diese: "Fast 17 Prozent des besonders gefährlichen schwarzen Hautkrebses würden bei Mädchen und Frauen unter 21 Jahren festgestellt."
Die Angaben sind nicht nur einseitig sondern auch nachweislich und zum Teil grotesk falsch.
Die Tatsachen
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Regelmäßige (mindestens einmal monatliche) Nutzer von Solarien spielen unter den 13-16jährigen Jugendlichen in Deutschland so gut wie keine Rolle (2,9 % der Befragten überwiegend aus Mittel- und Großstädten in dieser Altergruppe in einer Umfrage des Instituts für Jugendforschung). Der Anteil der 13-14jährigen ist statistisch überhaupt nicht auswertbar (ein einziger Fall). Nennenswert erst der Anteil bei den 17-18jährigen (15,7%).
Im Durchschnitt nutzen 7,16% der Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren mindestens einmal monatlich eine Sonnenbank (egal ob zuhause, im Schwimmbad, Fitness-Club, Sauna oder Sonnenstudio).
Wenn man als "regelmäßige Nutzung" sinnvollerweise "Einmal pro Woche" definieren würde, ergäben sich in den Altersgruppen 13-16 Jahren überhaupt keine statistisch darstellbare Nutzung. Erst bei den 17-18jährigen liesse sich mit 6% Nutzung eine messbare Größenordnung nachweisen.
Bei einem Verbot von künstlicher Besonnung nur in Sonnenstudios für Jugendliche unter 18 Jahren (also bis 17 Jahren einschliesslich) wären demzufolge deutlich weniger als 5% der Jugendlichen betroffen.
Wo die Gefahr wirklich lauert
Dagegen setzten sich 70% der Jugendlichen (14-18 Jahre) im Hochsommer für mindestens 3 Stunden der prallen Sonne aus - so wieder eine soeben erschienene Studie aus Belgien mit über 600 teilnehmenden Jugendlichen.
Rund 60 % der Befragten zogen sich dabei mindestens einen Sonnenbrand im abgelaufenen Jahr zu, 26,5% sogar zwei und mehr Sonnenbrände.
Statistiken über Verbrennungen im Sonnenstudio gibt es leider nicht, die Zahl dürfte allerdings - nach vorsichtigen Schätzungen - deutlich unterhalb der 1-Prozent-Grenze und in ausgewiesenen Qualitäts-Studios im kaum noch messbaren Bereich liegen.
Junge Frauen und Melanom - Die Tatsachen
Die oben zitierte WDR-Behauptung ist nicht nur falsch sondern schlicht absurd und hätte von der Redaktion ohne Mühe nachrecherchiert und korrigiert werden können.
![]() Quelle: Krebs in Deutschland |
Schon ein flüchtiger Blick in die Krebsstatsitik (Quelle s.u. oder Download hier) zeigt, dass der Anteil der 15-34jährigen an den Erkrankungsfällen (Gesamtinzidenz) nur der Frauen weniger als 4% beträgt. Der Anteil der unter 21jährigen macht davon wiederum nur einen Bruchteil aus.
Der Anteil der 15-34jährigen Frauen an allen Melanomerkrankungen pro Jahr liegt um die 2 Prozent. Der Anteil der unter 21jährigen also weit unter 1%.
Quellen:
Umfrage des IJF Instituts für Jugendforschung (11/2005) im Auftrag der Zeitschrift "Healthy Living", Gruner und Jahr.
H. De Vries et al., Skin cancer prevention behaviours during summer holidays in 14 and 18-year-old Belgian adolescents, Eur J Cancer Prev. 2006 Oct;15(5):431-8.
Robert Koch Institut, Krebs in Deutschland, Häufgkeiten und Trends, Saarbrücken 2006
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