
Zu wenig Sonne ist schlechter als zu viel Sonne
Allmähliches Umdenken der Solariengegner
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Immer neue Beleg für die heilende Kraft der Sonne und die Schutzwirkung des Vitamins D3 vor verschiedenen Krebsformen. Das Buch "Schützendes Sonnenlicht" fasst die Erkenntnisse zusammen.
Eine medizinische Lehrmeinung gerät ins Wanken
Jahrzehnte lang riefen Hautärzte dazu auf, die Sonne möglichst zu meiden oder den Körper wenigstens mit Sonnencreme vor der UV-Strahlung zu schützen. Nun häufen sich die Indizien dafür, dass Sonneneinstrahlung - in Maßen genossen - dem Körper durchaus nutzt.
Denn Sonnenlicht regt die Bildung von Vitamin D an. Allein in den vergangenen drei Monaten erschienen vier Studien, die eine Schutzwirkung des Vitamins vor verschiedenen Krebsformen belegen -bei Lymphom, Prostatakrebs, Lungenkrebs und sogar Hautkrebs. Auch für eine präventive Wirkung gegen Darmkrebs gibt es Hinweise.
Zwar sind die Gefahren übermäßigen Sonnenbadens unbestritten. Aber immer mehr Mediziner empfehlen, sich maßvoll der Sonne auszusetzen und dabei den wohltuenden Einfluss der Strahlung nicht durch Sonnencreme abzublocken. Der Tenor lautet: Zu viel Sonne ist schlecht, zu wenig Sonne ist aber noch schlechter
Sonne verhindert 30 mal so viele Krebstode wie sie verursacht
Der Mediziner Edward Giovannucci von der Universität Harvard hat Berechnungen aufgestellt, wonach auf jeden durch Sonneneinfluss verursachten Hautkrebs-Toten 30 Menschen kommen, die durch Vitamin D vor dem Krebstod bewahrt werden. Der Wissenschaftler ist überzeugt davon, dass Vitamin D der beste Schutz vor Tumoren überhaupt ist.
Für einen solchen Einfluss sprechen viele Hinweise: Mehrere Studien ergaben, dass Menschen mit hohen Vitamin-D-Werten seltener an Krebs erkranken. Zudem treten Tumoren meist bei älteren Menschen auf, deren Haut generell weniger Vitamin D produziert. Und Schwarze, deren Haut pigmentbedingt ebenfalls weniger Vitamin D bildet, erkranken häufiger an Krebs als Weiße. Schließlich sind die Krebsraten in nördlichen Regionen wie etwa Skandinavien, wo sich die Sonneneinstrahlung im Winter arg in Grenzen hält, höher als in südlichen, sonnigeren Gefilden.
Bahnbrechendes Buch jetzt auch auf Deutsch
Der Endokrinologe Michael Holick von der Universität Boston rät in seinem Buch "Schützendes Sonnenlicht" (Im englischen Original:»The UV Advantage») dazu, sich das wertvolle Vitamin maßvoll über das Sonnenlicht zu holen. «Ich verteidige den gesunden Menschenverstand", erläutert Holick: Tödliche Fälle von Hautkrebs seien im Vergleich zu anderen Krebsarten sehr selten. Zudem gebe es keinen sicheren Hinweis dafür, dass maßvolle Aufenthalte in der Sonne das Hautkrebs-Risiko erhöhen.
Mehr Sonne - Mit Verstand!
Sonnen-Gegner denken um
Angesichts dieser Indizienfülle überdenkt mittlerweile sogar die Amerikanische Krebs-Vereinigung (ACS) ihre Richtlinien zum Sonnenschutz. «Es gibt inzwischen bemerkenswerte Hinweise dafür, dass Vitamin D sowohl bei der Prävention als auch bei der Behandlung mancher Krebsarten eine Rolle spielt», sagt der ACS-Chefepidemiologe Michael Thun. Und selbst unter den Gralshütern des alten Dogmas, den Dermatologen, nimmt die Zahl der Zweifler zu: «Die Hinweise mehren sich und werden immer zwingender», räumt der New Yorker Hautmediziner Allan Halpern ein. Unklar sei allerdings, wie viel Vitamin D der Körper brauche und wo er es am besten bekomme.
Letze Bastionen
Der Amerikanische Dermatologen Verband (AAD), der kürzlich erst eine Kampagne zur Sonnenmeidung startete, bekämpft diese Meinung entschieden: «Auch wenn der gesundheitliche Nutzen von Vitamin D bekannt ist, ist die Empfehlung von Sonnenlicht als Vitamin-D-Quelle absolut unverantwortlich», klagt Verbandspräsident Clay Cockerell.
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