Bundesfachverband für Besonnung
Licht ist Leben

Wissenschaft 2007 zu Sonne und Gesundheit

Weltweiter Mangel an "Sonnenschein-Vitamin" - Deutschland und Europa

Vitamin D-Mangel durch zu wenig Sonne

Seit Jahren häufen sich die Studien mit Hinweisen auf einen weltweiten Mangel an Vitamin D, insbesondere dem von UVB-Strahlen in der Haut verursachten Vitamin D3 (Colecalciferol). Studien über Deutschland und Europa aus der jüngsten Zeit:

Auch die Deutschen kommen bei der ?guten Sonne? zu kurz ...

Wir wussten das zwar schon durch Daten aus den Nachbarländern, aus USA und Kanada, die mit uns in etwa den gleichen Breitengrad teilen, jetzt aber liegen auch die Daten für Deutschland vor: Bei  57% der Männer und 58% der Frauen wurde ein Vitamin D-Defizit diagnostiziert ? verstärkt am Ende des ?Vitamin D Winters? im Februar-März.

Damit ist nun wohl die immer schon erstaunlich uninformierte Behauptung in einigen Veröffentlichungen von Deutscher Krebshilfe und ADP vom Tisch, einen verbreiteten Vitamin D Mangel gäbe es in Deutschland nicht, mit Ausnahme einiger weniger Risikogruppen.

...ebenso wie alle übrigen Europäer

Mehr als die Hälfte der Europäer, 225 Millionen Menschen, leiden an Vitamin D-Mangel. Weltweit sind es über eine Milliarde Menschen, die dadurch ein erheblich höheres Risiko an Knochenbrüchen, Krebserkrankungen und vielen chronischen, insbesondere Autoimmun- Erkrankungen tragen.

Diese Feststellung als Fazit seiner 20jährigen Studien traf jetzt der bekannte belgische Forscher Roger Bouillon von der Universität Löwen in einem Vortrag vor dem "European Congress of Endocrinology" in Glasgow.
"In letzter Zeit erhärtet sich außerdem immer mehr der Verdacht, dass ein Zusammenhang zwischen leichtem Vitamin D-Mangel und erhöhtem Tuberkuloserisiko besteht. Die Ergebnisse einiger epidemiologischer Studien lassen zudem darauf schließen, dass das Risiko für Dickdarm-, Brust- und Prostatakrebs sowie für Autoimmunkrankheiten wie Typ-1-Diabetes bei Vitamin D-Mangel steigt."

Es sei dringend geboten, weltweit für die Zufuhr von ausreichend Vitamin D zu sorgen.

Frauen sind stärker betroffen

Eine weitere europäische Studie der Universität Liège (Lüttich, Belgien) mit 8532 Frauen in Frankreich, Belgien, Dänemark, Italien, Polen, Ungarn, Großbritannien, Spanien und Deutschland fand bei 79,6% der Frauen unter 65 Jahren einen Vitamin D-Serum-Spiegel unterhalb der heute überwiegend als Untergrenze einer ausreichenden Versorgung definierten 80 nmol/L. Bei 32.1% der Frauen lag der Wert sogar unterhalb der Grenze von 50 nmol/L.

Bei Frauen über 65 Jahren trat ein Vitamin D-Mangel noch in weit höherem Maße auf.

Die schlechtesten Werte erzielten die französischen Frauen, die besten die Spanierinnen. Hier spiegeln sich neben der Intensität der Sonneneinstrahlung auch die Lebensgewohnheiten in diesen Ländern. Deutschland nimmt in dieser Rangfolge einen vorderen Mittelplatz ein.

?Alarmierende? Ergebnisse aus Großbritannien

?Alarmierend? nennen britische Forscher die Daten aus ihren jüngsten Untersuchungen zur Vitamin-D-Versorgung der Bevölkerung in England und Schottland.

Im ?Vitamin D-Winter? (in Großbritannien - wie in Deutschland - von Oktober bis März) und vor allem gegen Ende, sinkt der Vitamin D-Spiegel bei der Hälfte der Untersuchten auf Werte unterhalb der ?normalen? Werte von 40nmol/l.
Bei 87,1 Prozent lag der Wert unter der für viele Gesundheitswirkungen notwendigen Höhe von 70nmol/l (eine molekulare Maßeinheit, entspricht 30 ng/ml).

Übergewichtige und Menschen in Schottland litten doppelt so oft unter akutem Vitamin D-Mangel wie Schlanke und Menschen in England oder Wales. 

Studien aus Holland und Ungarn bestätigen die Ergebnisse

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen holländische Forscher bei der Untersuchung älterer Menschen in den Niederlanden. Mangel an UV-Bestrahlung im Freien (der Gebrauch von Solarien wurde nicht untersucht) wird als Hauptgrund für die Unterversorgung genannt.

Dass der ?Vitamin D-Winter? keine Erfindung der Solarien-Befürworter ist, wie deren Gegner gern behaupten, ist in vielen Untersuchungen belegt. Eine Studie  aus Budpest kommt für Ungarn zum gleichen Ergebnis: Selbst fünf Stunden ungekleidet in der Mittagssonne reichen im Dezember nicht aus, die Vitamin D-Bildung in der Haut anzustoßen.

Mit dieser Einsicht fassen die ungarischen Forscher vom Institut Frédéric Joliot-Curie in Budapest ihre Untersuchungen der Strahlenintensität der Wintersonne in der ungarischen Hauptstadt zusammen.

Noch absurder würde das Ergebnis, wenn man die Empfehlung der Deutschen Krebshilfe zugrunde legen wollte, 10-15 Minuten täglich nur Gesicht und Hände der Wintersonne auszusetzen.