Bundesfachverband für Besonnung
Licht ist Leben

Ausbildungsberuf im Sonnenstudio?

Die Hälfte der Studios sind zur Ausbildung bereit!

Berufsbildungs-Institut befragt Sonnenstudios zu ?Dienstleistungsfachkraft im Sonnenstudio?

Qualität und Qualifizierung sind die Top-Themen für die Solarien-Branche seit einigen Jahren. Im Vordergrund stand der RTS-Prozess und seither die Zertifizierung der Studios. Gleichzeitig aber gab und gibt es Anstöße für eine Professionalisierung im Zeichen ständig wachsender Marktanforderungen nach Sicherheit und Qualität.

Eine dieser Initiativen war im Jahr 2003 ein Entwurf für eine "Verordnung über die Berufsausbildung zur Dienstleistungsfachkraft im Sonnenstudio" aus dem DIHK.

Um die realen Chancen für eine Ausbildung in der Solarienbranche auszuloten, wurde das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) mit einer Umfragestudie beauftragt, die das Interesse und die Bereitschaft der Branchenbetriebe erheben sollte.

Befragt wurden Studios mit mehr als sechs Sonnenbänken. Aus der ermittelten Gesamtzahl der ca. 2.000 Studios dieser Größe (der SLS rechnet mit etwa 7.000) wurde eine repräsentative Auswahl von 180 Studios im Herbst 2004 befragt. (Eine genauere Beschreibung der ausgewählten Studios siehe unten).

Hier einige der wichtigsten Ergebnisse der Studie:

Mit 47 Prozent positiver Antworten (bei 51 % negativen und 2% unentschiedenen) liegt die Ausbildungsbereitschaft überraschend hoch.

Die Gründe (Mehrfachnennung möglich):

Warum würden Sie in dem neuen zweijährigen Beruf Dienstleistungsfachkraft im Sonnenstudio ausbilden? Trifft zu in %
Weil wir solche Fachkräfte benötigen 95
Weil angelernte Fachkräfte die Anforderungen nur unzureichend erfüllen 48
Weil die Anforderungen an die Mitarbeiter ständig zunehmen 89
Weil wir mit ausgebildeten Fachkräften eher unsere Angebotspalette (z.B. im Bereich Fitness) erweitern könnten 78

 Außerdem wurden noch genannt (Mehrfachnennungen möglich):        

  • Steigerung der Qualität/Beratung der Sonnenstudios (22 Nennungen)
  • Schaffung des Ausbildungsprofils ist sinnvoll (18 Nennungen)
  • Verbessert den Ruf von Sonnenstudios (6 Nennungen)
  • Jungen Leuten helfen (5 Nennungen)
  • Arbeitsplätze schaffen/Beruf erhalten (1 Nennung)
  • Anspruch auf Fördermittel (1 Nennung)
  • Eigene Entlastung (1 Nennung)

Frauen bevorzugt ? Hauptschulabschluss notwendig

Mehr als die Hälfte (59%) der zur Ausbildung von Dienstleistungsfachkräften bereiten Betriebe würden weibliche Auszubildende einstellen, den anderen Betrieben ist das Geschlecht ?egal?. Kein Betrieb gab an, dass er vorzugsweise männliche Auszubildende einstellen würde.

Für die überwiegende Mehrheit der ausbildungswilligen Betriebe wäre mindestens ein Hauptschulabschluss Voraussetzung:     

Gründe für die Verweigerung

Die 51 Prozent der befragten Sonnenstudios, die nicht bereit wären, einen oder mehrere Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen, gaben eine ganze Reihe von Begründungen für ihre Haltung an (Mehrfachnennung möglich:     

Warum würden Sie nicht in dem neuen zweijährigen Beruf Dienstleistungsfachkraft im Sonnenstudio ausbilden? Trifft zu in %
Weil wir keinen zusätzlichen Personalbedarf haben 70
Weil wir genug (qualifizierte) Mitarbeiter am Arbeitsmarkt finden 58
Weil die wirtschaftliche Lage unseres Betriebs schlecht ist 48
Weil sich eine 2-jährige Ausbildung nicht rechnet 70
Weil die meisten Tätigkeiten nach einer (kurzen) Anlernphase verrichtet werden können 93
Weil diese 2-jährige Ausbildung zur Dienstleistungsfachkraft im Sonnenstudio überqualifizieren würde 58

Außerdem wurden genannt (Mehrfachnennungen möglich):

  • Zu hohe Kosten (12 Nennungen)
  • Festanstellungen (von Vollzeitkräften) nicht tragbar (12 Nennungen)
  • Tätigkeitsfeld bedarf keiner Ausbildung (6 Nennungen)
  • Auszubildende zu jung, Bevorzugung älterer Mitarbeiter (6 Nennungen)
  • Für lernschwache Jugendliche nicht geeignet (5 Nennungen)
  • Beschäftigen nur 400 Euro-Kräfte (5 Nennungen)
  • Zu wenig Zeit (4 Nennungen)
  • Baldige Betriebsaufgabe (2 Nennungen)
  • Überflüssige Ausbildung (2 Nennungen)
  • Qualifikationsprofil unzureichend (1 Nennung)
  • Existierende Ausbildungen sinnvoller (1 Nennung)
  • Zu kleines Unternehmen (1 Nennung)
  • Zu wenig Arbeit/Aufträge (1 Nennung)

Fast alle Betriebe wären bereit, die ausgebildeten Mitarbeiter auch zu übernehmen oder würden das von der wirtschaftlichen Situation abhängig machen.

Zwei Drittel der Betriebe würden auch einen Mitarbeiter einstellen, der in einem anderen Betrieb ausgebildet wurde. 22 Prozent verneinten das.

Beschreibung und Zusammensetzung der befragten Sonnenstudios

Die Mehrzahl der befragten Betriebe (172) sind reine Sonnenstudios, bei den übrigen acht Betrieben handelt es sich um Mischbetriebe aus den Bereichen Kosmetik/Wellness und Thermal- bzw. Spaßbad. Deshalb bieten die meisten befragten Betriebe (135) außer Sonnenbädern keine weiteren Dienstleistungen an. Weitere Dienstleistungen sind beispielsweise Maniküre/Pediküre (24 Nennungen), Kosmetik (12 Nennungen) und Massagen (7 Nennungen).

Bei den befragten Betrieben handelt es sich vor allem um kleinere Betriebe: Sie beschäftigen zu drei Vierteln (76%) bis zu neun Mitarbeiter. Der Median, der sich auf die Hälfte der Betriebe bezieht, liegt bei sechs Mitarbeitern. Der Anteil der un- und angelernten Mitarbeiter fällt mit 90% sehr hoch aus. Bei 10% der Beschäftigten handelt es sich um Fachkräfte beispielsweise mit einer kaufmännischen Ausbildung (5 Nennungen), mit einer Ausbildung zur Kosmetikerin (4 Nennungen), mit einem Zertifikat (4 Nennungen) oder einer anderen Qualifikation (8 Nennungen).

Der weitaus größte Teil der Mitarbeiter (75%) wird im Rahmen sog. Mini-Jobs auf 325 Euro bzw. 400 Euro-Basis (geringfügig) beschäftigt. Setzt man die Anzahl der geringfügig Beschäftigten ins Verhältnis zu den Mitarbeitern insgesamt, zeigt sich, dass 42% der Betriebe zu 75% und mehr geringfügig Beschäftigte einsetzen. Bei weiteren 30% der Betriebe sind zwischen der Hälfte und drei Vierteln der Mitarbeiter im Rahmen von Mini-Jobs angestellt.

Mit zunehmender Beschäftigtenzahl steigt überproportional der Anteil der Beschäftigten mit Mini-Jobs an: Während im ersten Quartil noch ein Zahlenverhältnis von 4 (Beschäftigte insgesamt) zu 2 (geringfügig Beschäftigte) besteht, liegt im zweiten Quartil ein Zahlenverhältnis von 6 zu 4 und im dritten Quartil ein Verhältnis von 8 zu 7 vor. Offensichtlich werden die Arbeitsaufgaben und Arbeitszeiten (Öffnungszeiten häufig bis spät in den Abend hinein) auf viele ?Teilzeitkräfte? verteilt.

Von allen befragten Betrieben bilden zur Zeit nur fünf Betriebe aus. Zusammen genommen haben sie lediglich 13 Auszubildende, die hauptsächlich in kaufmännischen Berufen ausgebildet werden. Weitere vier Betriebe zählen sich selbst zwar zu den Ausbildungsbetrieben, bilden zum Zeitpunkt der Befragung jedoch nicht aus.

Die meisten befragten Personen (123), die über die Betriebe Auskunft gegeben haben, haben selbst eine betriebliche Berufsausbildung abgeschlossen (68%). 23 Befragte (13%) haben einen (Fach-)Hochschulabschluss und 15 Befragte (8%) haben einen Fachschulabschluss erworben. Weitere sechs Personen haben eine schulische Berufsausbildung abgeschlossen und fünf Personen haben eine Meisterprüfung abgelegt. Die restlichen (acht) Befragten sind entweder angelernt, haben einen sonstigen Berufsabschluss oder haben keine Angaben gemacht.

Eine Kurzfassung der (negativen) Stellungsnahme des BIBB zu der vorgeschlagenen Ausbildung "Dienstleistungsfachkraft im Sonnenstudio" finden Sie hier:

BIBB-Stellungnahme