(Eine Checkliste der Bedeutung von Vitamin D für Prävention und Therapie einzelner Erkrankungen finden Sie hier)
Behauptung
Von einigen Dermatologen und Strahlenschützern - in den Medien ständig wiederholt - wird die Wirksamkeit der künstlichen Besonnung in Solarien für die Vitamin D-Bildung bestritten.
Da andererseits das Problem einer Vitamin D-Unterversorgung der Deutschen insgesamt und bestimmter Problemgruppen in verstärktem Maße, vor allem im sogenannten "Vitamin D"-Winter, nicht mehr bestritten wird, werden zum Teil abstruse Ersatz-Strategien empfohlen, die wissenschaftlich widerlegt und unhaltbar sind. Die Behauptungen lassen sich in etwa folgendermassen zusammenfassen:
Tatsachen
1. Vitamin D-Defizit mit Folgen
Für den notwendigen Stand der Vitamin D-Versorgung sind inzwischen Normwerte wissenschaftlich definiert. Dieser Stand wird in bestimmten Breiten, in bestimmten Regionen und bei bestimmten Lebensgewohnheiten, vor allem in modernen Leistungsgesellschaften, nicht mehr erreicht. Die Folgen für die Gesundheit und die Prävention vieler Krankheiten sind gravierend.
Ohne jede Sonnenbestrahlung (UV-B) müsste der Mensch nach neuesten Forschungen etwa 4.000 Einheiten (IU) pro Tag über die Nahrung oder medikamentös zu sich nehmen. Das entspräche etwa 40 Glas Milch pro Tag oder 10 Multivitamin-Tabletten. Auch der Zusatz von Vitamin D zur Milch reicht für die Versorgung im "Vitamin D-Winter" nicht aus, wie eine finnische Studie in diesen Tagen beweist.
2. Optimaler Vitamin-D Spiegel eher bei Lebensbedingungen wie in der Steinzeit
In Ländern nördlicher Breite (z.B. Mitteleuropa und Nordeuropa) sowie in Ländern, in denen z.B. bei Frauen die vollkommene Verhüllung des Körpers Vorschrift ist, haben viele Studien einen verbreiteten Mangel an Vitamin D ?in epidemischen Ausmaßen? festgestellt. Eine ausreichende Versorgung liegt nach gegenwärtigem wissenschaftlichem Stand bei einem 25-hydroxyvitamin D- Pegel im Blut von mindestens 25 ng/mL. Bei älteren Menschen deutlich höher.
Für die therapeutische Wirksamkeit werden 75 ng/mL empfohlen. Empfohlen wird eine tägliche Dosis von mindestens 1.000 IU (International Units), bei Risikogruppen 1.500 und mehr.
Will man seinen Plasmawert um 25 nmol/L erhöhen, muß man in der dunklen Jahreszeit eine tägliche Ergänzung von 1500 Einheiten Vitamin D zu sich nehmen. (Zum Vergleich bildet die Haut im Laufe eines halbstündigen Sonnenbads im Sommer 20.000 Einheiten.)
Wenn man vollen Nutzen aus Vitamin D ziehen will, ist der Bedarf viel größer ist, als der, an den wir uns gewöhnt haben. Richtschnur wäre etwa die Menge, die Steinzeitmenschen auf natürliche Weise durch Aufenthalt im Freien an der Sonne aufnahmen.
3. Strahlenintensität der natürlichen Sonne reicht im "Vitamin D-Winter" nicht aus - Solarium kann ausgleichen
UV-Strahlen führen erst ab einer bestimmten Intensität zur Produktion von Vitamin D im Körper. Diese Intensität wird an einem Wintertag etwa in Mittel- oder Nordeuropa zu keiner Zeit erreicht. Im sog. ?Vitamin D-Winter?, der je nach Breitengrad, Höhe, Arbeits- und Lebensgewohnheiten, Ozonschicht etc. von September/Oktober bis März/April dauern kann, reicht die UV-Bestrahlung der Haut nicht für die Produktion von ausreichend Vitamin D3 im Körper (Vitamin D-Spiegel).

4. Die Kosten des Vitamin D-Mangels
Der ?epidemische? Vitamin D-Mangel in bestimmten Gegenden, bei bestimmten Bevölkerungsschichten und unter bestimmten kulturellen und wirtschaftlichen Bedingungen führt zu gesundheitlichen Schäden (s. im Einzelnen dazu hier), die die Gesundheitsbudgets der Sozialsysteme in den betroffenen Ländern stark belasten. Für die USA haben Studien errechnet, dass die ?Kosten des Vitamin D-Mangels? etwa das 10fache der Kosten ausmacht, die durch UV-Schäden bei unsachgemäßer Nutzung der Sonnenstrahlen/Solarien entstehen. (s. unten Grant et al. Grant hat errechnet, dass allein in USA 45.000 Krebstote pro Jahr auf einen Vitamin D-Mangel zurückzuführen sind - ein Vielvaches der Todesfälle durch "schwarzen Hautkrebs", Melanom.)
5. Undifferenzierte Warnung vor der Sonne verschlimmert die Situation
Als einer der Gründe für den verbreiteten Vitamin D-Mangel wird die übertriebene Warnung vor jeder Form der Besonnung festgestellt. Bei den empfohlenen Sonnenschutzmaßnahmen bei jedem Aufenthalt im Freien, z.B. Eincremen mit Sonnenschutzmitteln von SF 15 wird die Produktion von Vitamin D im Körper um etwa 95% reduziert.
Viele medizinische Gesellschaften und Gesundheitsorganisationen, selbst das Cancer Council Australia, haben daher ihre Empfehlungen für den Aufenthalt an der Sonne und im Solarium in den letzten Jahren revidiert.
6. Unsinnige Rezepte
Das Argument, schon 10-15 Minuten sonnenloses Licht an Gesicht und Armen produziere ausreichende Mengen an Vitamin D im Körper ist gleich aus mehreren Gründen falsch:
7. Der UVA/UVB-Mix der modernen Solarien fördert die Vitamin D-Bildung
Moderne Solarien verfügen über einen ausgewogenen UVA/UVB-Mix (und können je nach Bräunungsziel eingesetzt werden), der der Zusammensetzung der natürlichen Sonnenstrahlen bei vielen Geräten ähnlich ist. Entsprechend kann die UV-Bestrahlung in Sonnenbänken in gleicher Weise die Vitamin-D-Synthese anstoßen. Wissenschaftliche Studien haben dementsprechende Wirkungen auf die Vitamin D-Synthese beim Gebrauch der Sonnenbank nachgewiesen ( (s. unten Tangpricha,et al., Gambichler et al.)
8. Ersatzstrategien für sonnenlose Vitamin D-Zufuhr reichen nicht aus
Durch Ernährung und Nahrungsergänzung können bei Weitem nicht alle positiven Wirkungen erzielt werden, weil
Einige Quellen-Beispiele aus jüngerer Zeit für diese Argumente :
(Eine Checkliste der Bedeutung von Vitamin D für Prävention und Therapie einzelner Erkrankungen finden Sie hier)
Zusammenfassende Übersicht zu Sonne, Vitamin D und Gesundheit (PDF
148 kb)
Das umfassendste Werk auf Deutsch zu Sonne und Vitamin D:
Michael E. Holick: Schützendes Sonnenlicht. Haug-Verlag
Zusammenstellung aller Fakten in einem Vortrag (PDF
7,5 MB) von Prof. Erhard Hölzle, Dermatologie und Allergologie, Klinik Oldenburg
Probekapitel zum kostenlosen Download
"Die Sonne: Eine wirksame Medizin"
(596 kb)
Stand: Oktober 2006