Bundesfachverband für Besonnung
Licht ist Leben

Wissenschaft 2007 zu Sonne und Gesundheit

Wieviel Sonne und Solarium für "Problemgruppen"? Schwangere, Jugendliche und Alte auf der Sonnenbank

Drei besonders schwierige Aspekte einer vernünftigen Balance aus notwendiger Sonnenexposition und Schutz vor UV-Schäden sind die Themen

Bei allen drei Themen machen die ?emotionale Überfrachtung? eine sachliche Diskussion sehr schwierig. Diese Möglichkeit zur Emotionalisierung wird daher von den Solariengegnern bedenkenlos und mit Erfolg ausgenutzt.

Kinder, Jugendliche und Sonne ? was sind die Fakten?

Kinder an die Sonne

Mitten in der Sommer-Ferienzeit erschienen gleich vier Studien zum Thema ?Kinder, Jugendliche und Sonne?:

  1. Die Mehrheit leidet unter Vitamin D-Defiziten: Eine Untersuchung von Kindern und Jugendlichen aus dem Nord-Osten der USA im Alter von 6-21 Jahren ergab ein bedenkliches Vitamin D-Defizit (Serum 25(OH)D) bei erstaunlichen 55% der Probanden. Vor allem im sonnenarmen Winter stieg der Anteil deutlich an und ging im Sommer ebenso deutlich wieder zurück.
    ?Der beste Weg, den Vitamin D-Pegel im Blut zu erhöhen ist der Aufenthalt an der Sonne?, so Prof. Babette Zemel, Direktorin am Nutrition and Growth Laboratory, Children?s Hospital of Philadelphia.
    Vitamin D-Defizite entstünden bei älteren Kindern vor allem deshalb, weil Kinder heute weniger im Freien spielten.
  2. Sonne in der Kindheit schützt vor MS: Kinder, die sich häufiger an der Sonne aufhalten, erkranken später deutlich seltener an der tückischen Autoimmun-Erkrankung Multiple Sklerose (MS), so eine aktuelle Studie an der University of Southern California, Los Angeles. Die Forscher um Prof. Thomas M. Mack untersuchten 79 eineiige Zwillingspaaren, von denen jeweils nur ein Geschwisterteil unter MS litt. Auf diese Weise konnten genetische Gründe für die unterschiedliche Anfälligkeit für MS ausgeschlossen werden.
    Bei der Intensiv-Befragung der Zwillinge stellte sich heraus, dass diejenigen, die später an MS litten, als Kinder deutlich weniger oft im Freien und an der Sonne waren also ihre Zwillingsgeschwister.
    Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass ein häufiger Aufenthalt im Freien das Risiko für MS je nach Art der Beschäftigung um 25 bis 57 Prozent verringerte. Für das Sonnenbaden errechneten die Wissenschaftler ein fast 50 Prozent niedrigeres Risiko. 
  3. Sonnen-Mangel bei Kindern und Jugendlichen erhöht das Krebsrisiko: Jungen, die als Kinder oder Jugendliche zu wenig Sonnenstrahlen abbekamen, haben ein wesentlich größeres Risiko, später an Prostata-Krebs zu erkranken.
    Bisher schon war die Bedeutung der UV-Strahlen für die Krebsvorbeugung unter anderem bei Prostata-Krebs für Erwachsene durch zahlreiche Studien belegt.  Jetzt haben US- Wissenschaftler am Comprehensive Cancer Center der Wake Forest University in einer Langzeituntersuchung belegen können, dass besonders die Sonnenexposition im Kindes- und Jugendalter für die Prävention von Prostata-Krebs von Bedeutung zu sein scheint.
  4. Rachitis bei Kindern wieder auf dem Vormarsch: Längst überwunden geglaubt macht die Rachitis bei Kindern weltweit wieder von sich reden. In einer Befragung von 2.325 kanadischen Kinderärzten, die Rachitis bei Kindern diagnostiziert hatten, zeigte sich, dass Kinder in den nördlichen Provinzen Kanadas, Kinder in Städten und Kinder mit dunkler Hautfarbe überproportional häufig - auch heute noch oder gar heute wieder! ? aufgrund von Sonnenmangel an Rachitis leiden. Ein weiterer Grund: Die Mütter hatten während der Schwangerschaft nicht genügend Sonne und/oder Vitamin D in der Nahrung oder als Nahrungsergänzung bekommen. In diesen Fällen war auch ein nachträgliches Standardprogramm mit der Verabreichung von 400 IU (Internationalen Einheiten) Vitamin D an die Babies nicht ausreichend, um die Rachitis in Schach zu halten.

Diese neuen Belege in einer inzwischen langen Reihe von wissenschaftlichen Hinweisen auf die Bedeutung der Sonne und der Besonnung auch und gerade in jüngeren Jahren, verdeutlicht noch schärfer als bei den Erwachsenen das Problem von: ?Zu wenig Sonne - zu viel Sonne!?

Einerseits ist der Sonnenschutz bei Kindern und Jugendlichen von besonderer Bedeutung, da zumindest im frühen Alter bis etwas zur Pubertät die ?Selbstverteidigung? der Haut gegen UV-Schäden noch nicht voll ausgebildet ist.

Auf der anderen Seite weisen aber immer mehr renommierte Wissenschaftler auf die Gefahr unzureichender Besonnung gerade bei Jugendliche hin, vor allem aufgrund der veränderten Lebensbedingungen und Freizeitgewohnheiten.

Wo die Gefahr wirklich droht

Genau diesen Freizeitgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen geht eine weitere Studie aus Deutschland nach, die den Zusammenhang von ?Ferien im Süden? und der Bildung von Nävi (Muttermalen) bei Kindern untersucht. Nävi gelten unumstritten als Risikofaktoren für die Bildung von Hautkrebs im späteren Leben.

Wie in früheren Studien schon vermutet stellte sich heraus, dass die Zahl der Nävi nicht etwa durch längeren Aufenthalt in der Sonne sondern ausschließlich durch häufige, unvorbereitete, sozusagen schockartige Sonnenexposition gesteigert und damit das Melanom-Risiko erhöht wird.
Sprich: Kinder, die zuhause vor TV- und Bildschirmen oder ihren Spielkonsolen sitzen und kaum an die Sonne kommen, dann in den Ferien vom ersten Tag an ?gnadenlos? sonnen (s. die Studien zu Sonnenbränden bei Jugendlichen in den Sommerferien), sind die einzigen, die durch die Feriensonne gefährdet sind.

60 Prozent der Jugendlichen holen sich in den Ferein einen Sonnenbrand - oder mehrere

Das bestätigt mit dramatischen Zahlen eine Studie aus Belgien mit über 600 teilnehmenden Jugendlichen:
Danach setzten sich 70% der Jugendlichen (14-18 Jahre) im Hochsommer in den Ferien für mindestens 3 Stunden täglich der prallen Sonne aus. Rund 60 % der Befragten zogen sich dabei mindestens einen Sonnenbrand im abgelaufenen Jahr zu, 26,5% sogar zwei und mehr Sonnenbrände.

?Vernünftiges Sonnen? im Freien selten, im Studio die Regel ? gilt auch für Erwachsene

Häufige Sonnenbrände erhöhen, wie eine Übersichtsstudie in USA jetzt wieder nachweist, das Hautkrebs-Riskio um das Doppelte.

Gleichzeitig haben die Autoren des Centers for Disease Control and Prevention (CDC) einen ständigen Anstieg der Sonnenbrandzahlen in den Jahren von 1999-2004 festgestellt. Inzwischen deutlich mehr als ein Drittel aller Erwachsenen holen sich jährlich ?ihren? Sonnenbrand im Freien.

Wie schon bei den Studien zum ?Sonnen-Verhalten? von Jugendlichen (ebenso hier) erweist sich auch hier, dass die Sonnen-Schutz-Kampagnen dort keine Wirkung zeigen, wo die Gefahr am größten ist: beim Freizeitverhalten der Menschen im Freien. Deutliche Spuren aber hinterlassen diese Kampagnen seit Jahren bei der künstlichen Besonnung in Sonnenstudios - wo Verbrennungen einen verschwindend kleinen Bruchteil der Gesamtzahl an Sonnenbränden ausmacht. Das gilt noch deutlich verstärkt für Qualitätsstudios, etwa solche mit dem Gütesiegel ?Geprüftes Sonnenstudio?.

Die Mär von der Melanom-Epidemie bei Jugendlichen

Während in den Medien-Äusserungen der Solariengegner immer noch das Gespenst einer dramatisch ansteigenden Zahl von Melanom-Erkrankungen auch und gerade bei Jugendlichen Karriere macht, marschiert die Wirklichkeit längst in die andere Richtung:
Tatsächlich war die Zahl der Erkrankungen von 1973 bis 1993 erheblich gestiegen. Seither aber ist sie ebenso deutlich - gefallen.

Das belegt eine Studie aus Schweden. Die Zahlen fielen von 5,0 Fällen pro einer Million in den Jahren 1983-92 steil ab auf 3,6/Million nur 10 Jahre später im Jahre 2002.
Die Überlebensrate bei den Jugendlichen (nach 5 Jahren) bei dieser gefährlichsten Hautkrebs-Art liegt inzwischen bei 90%. 

Schwangerschaft, Sonne und Solarium

Sonne, UV-Strahlen und Schwangerschaft

Für  die Beratung in Sonnenstudios ist die Frage ?Darf ich während der Schwangerschaft auf die Sonnenbank? in der Regel ein heikles Thema. Denn obwohl für Mutter und Kind keinerlei besondere Gefährdung durch die Bestrahlung besteht, kann die Haut der Mutter durch die hormonelle Umstellung anders reagieren als üblich und als die Hauttypenanalyse vermuten lässt.

Deshalb raten die meisten Studios zu Recht der Schwangeren, ihren Arzt vorher zu konsultieren.

Aber Vorsicht heißt eben nicht ?Vermeidung?. 

Auch hier wieder einige in den letzten Monaten veröffentlichten Forschungsergebnisse:

  1. Vitamin D-Mangel der Mutter führt zu Defiziten beim Kind. Eine der renommiertesten pädiatrischen Fachzeitschriften ?Archives of Disease in Childhood? fasst dieses Dilemma zwischen ?zu wenig Sonnenschein? und ?Vorsicht vor UV-Strahlung in der Schwangerschaft? in einem eigenen Themenschwerpunkt zusammen.
    Vor allem der Wandel in den Lebensgewohnheiten im Westen und die Verschleierung der Frauen im Nahen Osten seien - neben Hautpigmentierung, übertriebenem Sonnenschutz, Smog u.a. - verantwortlich für das wachsende Defizit in der Vitamin D-Versorgung Schwangerer.
    Dieser Mangel zeige sich dann auch in den Neugeborenen und führe zu einer Reihe von gesundheitlichen Gefährdungen weit über die traditionell zitierte Rachitis hinaus.
    ?Die für das 21. Jahrhundert typische `Sonnen-Scheu` in den Industrieländern ist kein Zeichen für gesunde Lebensführung.? so in einem Kommentar Prof. A F Williams vom St George?s Hospital Medical School, London,. ?Tatsächlich übertraf die Serum 25-HD Konzentration von Frauen mit häufiger Sonnen-Exposition die unterste `normale` Vitamin D-Serum Konzentration von 25 nmol/l um das 5-10fache.?
    Da die Vitamin D-Produktion zu 90% über die UV-Bestrahlung der Haut im Körper selbst stattfindet, sei es schwierig, diesen Mangel durch hohe Gaben von Vitamin D in Form von Nahrungsergänzung oder als Medikament auszugleichen.
  2. Vitamin D-Mangel bei herzkranken Babies als Folge von Mangel in der Schwangerschaft. Einen gravierenden Kalzium- und Vitamin D-Mangel stellten britische Forscher bei schwer herzkranken Neugeborenen indischer und afrikanischer Einwanderer fest. Die meisten von ihnen waren am Ende des Winters im Südosten Englands geboren worden.
    Drei der Kinder starben. Keine der Mütter hatte während der Schwangerschaft die empfohlene Menge an zusätzlichem Vitamin D bekommen.
    Menschen mit dunklerer Haut sind in unseren Breiten besonders von Vitamin D-Mangel bedroht, zumal die UV-Strahlung der Sonne im Herbst und Winter hier für eine Vitamin D-Synthese in der Haut ohnehin nicht ausreicht.

    Dazu auch zwei Studien aus dem Januar 2007:
  3. Vitamin D-Mangel bei Schwangeren führt zu Schädigungen bei Neugeborenen. Babies von Frauen, die während der Schwangerschaft an Vitamin D-Mangel leiden haben ein stark erhöhtes Risiko, an Knochenschwäche, Diabetes oder Schizophrenie zu erkranken. Besonders gefährdet sind Frauen und Babies in nördlicheren Breiten mit längerem ?Vitamin D-Winter? und dunkelhäutige Frauen.
    Eine weitere Bestätigung dieser Beobachtung legte jetzt eine Forschergruppe aus Pittsburgh, Pennsylvania, USA, vor. Obwohl Pittsburgh auf dem 40 Breitengrad liegt - und damit auf etwa der gleichen Höhe wie Neapel - fanden die Forscher eine unzureichende Versorgung mit Vitamin D bei fast 85 Prozent der schwarzen und immerhin noch bei fast der Hälfte der weißen Frauen - und ihrer Babys.
  4. Risiko Großstadt. Unter den in großen Städten geborenen Kindern gibt es erheblich mehr Fälle von Schizophrenie als im Durchschnitt der Bevölkerung. Noch gibt es über die Gründe nur Vermutungen. Neben Luftverschmutzung und Stress vermuten Wissenschaftler vor allem Sonnen- und daraus resultierend Vitamin D-Mangel noch vor der Geburt als Ursachen hinter diesem Phänomen.

Mit Sonne auf der Sonnenseite: "Best Agers"

Sonne, Solarium macht fit und munter im Alter

Ein Studienschwerpunkt bei der Erforschung der Bedeutung von Sonne und Vitamin D für die Gesundheit sind die älteren Menschen über 50 Jahren. Hier nur beispielhaft vier Studien aus den letzten Monaten. Dabei stand neben der Abwehr von Osteoporose und Knochenbrüchen vor allem die geistige Fitness und Wendigkeit im Vordergrund.

  1. Einen deutlichen Zusammenhang von Vitamin D-Mangel, gedrückter Stimmung und schlechten intellektuellen und Gedächtnisleistungen bei älteren Menschen stellten Forscher an der Washington University School of Medicine, St. Louis, USA, fest.
    Die allgemeine Stimmungslage der Probanden mit Vitamin D-Mangel war wesentlich schlechter als die der Kontrollgruppe. Gleichzeitig wiesen diese Menschen geringere Denk- und Gedächtsnisleistungen in zwei von vier gemessenen Kategorien auf.
  2. Die zweite Studie einer Forschergruppe an der Universität von Wisconsin, USA könnte man etwas frivol zusammenfassen:
    Wer im Alter fit im Kopf bleiben will, sollte viel an die Sonne gehen (Solarium tut`s auch).
    Die Forscher aus dem Norden der USA fanden einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Vitamin D-Status (Gehalt des Serums 25(OH)D im Blut) und der geistigen Beweglichkeit der Probanden.
  3. Körperliche Fitness und Leistungsfähigkeit bei älteren Menschen wird durch ausreichende Versorgung mit dem ?Sonnenschein-Vitamin? D3 positiv beeinflusst.
    Eine amerikanisch-italienische Forschergruppe untersuchte im Rahmen des ?InCHIANTI?-Forschungsprojekts knapp 1.000 repräsentativ ausgewählte Männer und Frauen über 65 Jahren. Physische Leistungsfähigkeit wurde nach verschiedenen Leistungsmerkmalen getestet. Gleichzeitig wurde der Vitamin D3-Spiegel im Blut (Serum 25OHD) gemessen. Vitamin D3 wird ?Sonnenschein-Vitamin? genannt, weil es zu etwa 90% in einem komplizierten Prozess im Körper selbst durch Sonneneinstrahlung gebildet wird.
    Ergebnis: Die Gruppe der Testpersonen mit einem Vitamin D3-Mangel (weniger als 25 nmol/L) zeigten deutlich schwächere Leistungen im Test als die Personen mit einem ausreichenden Serum-Spiegel (75 nmol/L). Selbst die ?mittlere? Gruppe mit einem relativ niedrigen Vitamin D-Spiegel im Blut (weniger als 50 nmol/L) war der ?Vitamin-armen? Gruppe in vielen Übungen überlegen.
    Bei Männern scheint dieser Zusammenhang noch deutlicher zu sein als bei den Frauen.
  4. Spröde Knochen, Osteoporose und in deren Gefolge Knochenbrüche vor allem bei alten Menschen liessen sich in den meisten Fällen vermeiden - bei einer ausreichenden Versorgung mit dem ?Sonnenschein-Vitamin? D.
    Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie mit älteren Frauen am Institut für Altersforschung in Boston, USA.
    Die 124 Frauen in der Studie erhielten fünf Monate täglich Vitamin D2 (200 bis 800 IE) oder Placebo. Es stellte sich heraus, dass mit der höchsten Vitamin-D-Dosis die Zahl der Gestürzten sowie auch die Sturzrate um 72% geringer waren als mit Placebo in der Gruppe mit 800 IE (Internationale Einheiten) Vitamin D. Bei niedrigerer Dosierung stellte sich der Effekt nicht ein.
    Die Wirkung von Vitamin D3 z.B. aus künstlicher Besonnung war nicht in die Untersuchung einbezogen worden.