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Melanotan - Bräunen per Superdroge?

Erläuterungen zu Melanotan: "Melanontan - was und wie?"

News zu Melanotan

Revolution am Bräunungs-Markt?


An der Börse und in den Medien schlägt ein Medikament schon hohe Wellen, das erst frühestens im Jahr 2009 (ursprünglich für 2005 angekündigt, dann auf 2007 verschoben) auf den Markt kommen wird und dann als ?Bräunen ohne Sonne, Bräunen ohne Risiko? den Besonnungsmarkt aufmischen soll: Melanotan.

"Echte" Bräune ohne Sonnenstrahlen - die Nachfrage wächst

Sonne macht Hautkrebs! Mit dieser verkürzten aber in den Medien unentwegt verkündeten Botschaft und den tatsächlich wachsenden Hautkrebszahlen war es nur eine Frage der Zeit, bevor eine ?echte Bräunung? ohne Sonnenstrahlen erfunden und auf den Markt gebracht würde. Kein Wunder auch, dass die kommerzielle Entwicklung von Australien ausgeht, das besonders unter dem Ozonloch und seinen Folgen zu leiden hat.

Entdeckt aber wurde Melanotan Ende der 80ger Jahre im Sonnenstaat Arizona, USA. Am Health Sciences Center der University of Arizona suchte ein Team um den Dermatologen Dr. Norman Levine nach einer Möglichkeit,  zu therapeutischen Zwecken die Bräunung der Haut durch beschleunigte Produktion von Melanin zu fördern.

?Barbie Droge? macht braun, schlank und sexy

Tatsächlich entdeckten Sie damit eine Substanz von wundersamer Wirkung:  Nicht nur erzeugte das injizierte Melanotan eine beschleunigte ?natürliche? (durch Melanin) Bräunung sondern stimulierte auch die Libido der Testpersonen mit teils stundenlangen Erektionen und zügelte gleichzeitig den Appetit.  Die Probanden wurden braun, schlank und sexy!

Damit hatte die Substanz ?Melanotan? ihren Spitznamen weg: "Barbie Droge"!
Melanotan ist ein natürliches Hormon, das die Produktion von Melanin auslöst, dem braunen bis schwarzen Pigment, das die Hautfarbe bestimmt und unter UV-Strahlen die Bräunung der Haut verursacht (s. Informationen zu Bräunung und Melanotan).

Während man in Arizona jetzt vor allem auf der neu entdeckten Schiene die Chancen in der Bekämpfung von erektilen Dysfunktionen sah und mit Melanotan II die Forschung in diese Richtung vorantrieb, setzten australische Forscher und in ihrem Gefolge die Firma Epitan, jetzt: Biotech Clinuvel Pharmaceuticals (im Internet: http://www.epitan.com.au), auf die Bräunungswirkung.

Heilmittel oder Kosmetik?

Zwar wird in allen offiziellen Äußerungen der Firma die medizinische Indikation: Schutz vor den DNA-Schäden, die durch UV-Strahlen verursacht werden, aber es besteht kein Zweifel, dass auch die ?kosmetische? Bräunungswirkung, das risikolose Bräunen ohne Sonne, in das geschäftliche Kalkül einbezogen ist.

Gegenüber den bisher verbreiteten Methoden der künstlichen Hautbräunung hat Melanotan in der Tat einige entscheidende Vorteile:
Weil die Bräune der Haut nicht von außen aufgetragen oder chemisch erzeugt oder durch andere Farbstoffe ?vorgetäuscht? werden muss, sondern durch den natürlichen Prozess der Einlagerung von Melanin in den oberen Hautschichten entsteht, entfallen all die lästigen Begleiterscheinungen wie unregelmäßige Bräune und Flecken, Abfärben und umständliches Auftrage (Eincremen oder Einsprayen).

Jubel bei besonders Betroffenen verfrüht

Allerdings ist die Melanin-stimulierende Wirkung von Melanotan angewiesen auf eine ausreichende Anzahl von gesunden Pigmentzellen. Bei Krankheiten wie Vitiligo, bei denen diese Zellen nicht vorhanden sind oder nicht "funktionieren" kann auch Melanotan nicht helfen.

Unklar ist auch, ob Melanotan die Bräunungsprobleme von Rothaarigen lösen wird, die über ein besonderes, wenig wirksames Melanin verfügen, das Phäomelanin.

Die Solarienbranche reagiert gelassen

Außerdem wird die Vision von der attraktiven Bräune nach Lust und Laune aus dem Pillendöschen oder dem Implantat unter der Haut nicht so rasch Wirklichkeit werden. Einmal ziehen sich die klinischen Prüfungen weit länger hin als erwartet (ursprünglich war die Markteinführung von Melanotan schon für 2005 angekündigt). Zum anderen wird das Präparat sicher auf absehbare Zeit verschreibungspflichtig bleiben.

Entsprechend gelassen hat die Solarienbranche, soweit sie überhaupt Notiz von dieser potentiellen Konkurrenz genommen hat, bisher reagiert.

Die Probleme von Epitan 2005 und die Überführung des Unternehmens in die Clinuvel mit stark europäischer Beteiligung  in diesem Jahr unterstützen ebenfalls diese entspannte Sicht.

Ob sie allerdings mit dieser Reaktion recht behält, ist fraglich.


Melanotan plus Sonnenbank = dauerhafte Wunschbräune?

Obwohl bisher nur vergleichsweise wenige Menschen überhaupt von Melanotan wissen, ist das Interesse riesig und intensiv. In USA zumindest soll es bereits einen florierenden Schwarzmarkt für Melanotan-Produkte geben, der sich allerdings gleichmäßig auf Präparate mit überwiegend Bräunungswirkung (Melanotan I) und die mit potenzsteigernder Wirkung (Melanotan II) verteilt.

Außerdem sind, wenn man Berichten aus den klinischen Erprobungen glauben darf, bisher bei der Anwendung von Melanotan keinerlei Nebenwirkungen aufgetreten ? auch dann nicht, wenn Melanotan zusammen mit natürlicher oder künstlicher Besonnung verwendet wurde.

Und diese Kombination von schützender Melanotan-Wirkung und dauerhafter Bräunung unter UV-Bestrahlung dürfte auch die Attraktion von Melanotan für die Sonnen-Freunde ausmachen. Statt in einem langwierigen, hautschonenden Prozess kleiner Schritte hin zum Wunsch-Teint, wie er von vernünftigen Branchenvertretern propagiert wird, kann jetzt mit Melanotan rasch eine Tiefenbräune erzeugt und dann durch regelmäßigen Besuch auf der Sonnenbank praktisch unendlich verlängert werden, ohne dass die negativen Konsequenzen von Hautkrebs bis Hautalterung zu befürchten wären ? kontrollierte Anwendung und gezielte Hautpflege natürlich auch hier immer vorausgesetzt.

Abwehr oder Umarmung?

Die Hellhäutigen des Hauttyps I und II können sich Hoffnung auf eine schmerzfreie und folgenlose Hauttönung machen, die Menschen mit Hautflecken und unregelmäßiger Hautfärbung auf  eine kaschierende Bräune. Da hat sich ein gewaltiger Bedarf an bisher unerfüllbarer Bräunungswünsche angestaut.

Einmal am Markt wird also der öffentliche Druck erheblich sein, Melanotan in den freien Verkauf (OTC) zu geben.

Ob sich die Substanz dann als Konkurrent oder als sinnvolle Ergänzung zur Sonnenbank entwickelt, ist noch keineswegs ausgemacht.

Weitere Informationen im Internet:

Wie Bräunung entsteht und wie Melanotan wirkt
http://www.melanotan.org (mit einem interessanten Forum, in dem sich auch schon ?Frühanwender? tummeln)
http://www.clinuvel.com/IRM/content/home.htm früher:  http://www.epitan.com.au (Website der Firma Epitan, jetzt: Clinuvel mit allgemeinen Informationen zu Melanotan und EPT1647, jetzt: CUV1647, wie auch über den aktuellen Stand der Prüfungen und Einführungsvorbereitungen)
Neue Froschungsergebnisse: Journal of Investigative Dermatology 8 June 2006

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