
Hautkrebs-Statistiken sind missverständlich
Zunahme der Fälle von "schwarzem" Hautkrebs nur eine Folge von "Überdiagnose"?
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Mit Beginn jeden Sommers erschrecken die Medien ihre Leser mit immer neuen Rekorden bei den Hautkrebs-Fällen. Dabei wird oft (vor allem wenn Zahlen wie 140.000 erwartete Neuerkrankungen in Deutschland zitiert werden) nicht zwischen dem häufigen, und eher harmlosen "weissen Hautkrebs" und dem gefährlichen aber relativ seltenen "schwarzen Hautkrebs" unterschieden. (Die jüngsten Daten zur Hautkrebsentwicklung in Deutschland und USA finden sie hier).
Mit dem Verweis darauf, dass Hautkrebs die am schnellsten zunehmende Krebsart überhaupt sei, wird vor vor Sonne und Solarien gewarnt.
Was davon ist richtig, was ist Panikmache?
- Es ist richtig und kann als wissenschaftlich gesichert gelten , dass der ?helle? Hautkrebs durch UV-Strahlen verursacht werden kann und dass daher der häufigere Aufenthalt unter der Sonne vor allem im Urlaub einen Teil des erhöhten Risikos erklärt. Beim "schwarzen" Hautkrebs, der überwiegend an Körperstellen auftritt, die wenig oder garnicht der Sonne ausgesetzt sind, ist dieser Zusammenhang allerdings nicht nachweisbar. Die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien widersprechen sich seit Jahren an diesem Punkt.
- Das Hautkrebsrisiko durch UV-Bestrahlung ? Sonne oder Solarium ? steigt nur bei übermäßige Besonnung und missbräuchlichem Gebrauch der Sonnenbank. Genau gegen diesen Missbrauch wenden sich die Aufklärungskampagnen der Solarien-Verbände.
- Ein wesentlicher Teil der steigenden Hautkrebsrate ist nicht auf die tatsächliche Zunahme der Krebsfälle sondern auf die besseren präventiven und diagnostischen Maßnahmen (Anzahl Biopsien) und Instrumente sowie auf die verbesserte statistische Erfassung zurückzuführen. Die gleiche Zahl der Fälle führt so zu einer steigenden statistischen Kurve.
- Stärker als alle anderen Krebsarten tritt der Hautkrebs vor allem im Alter auf (s. die oben zitierten Statistiken). Damit steigt die Zahl der Hautkrebsfälle "automatisch überproportional" mit der älter werdenden Bevölkerung.
Die exorbitanten Zuwachsraten ausgerechnet beim maglignen Melanom aber werden daher von Forschern in den USA in Zweifel gezogen.
Zuwachs bei den Melanom-Fällen enstpricht dem Zuwachs bei den Untersuchungen
Bei einer Überprüfung der Gesundheitsstatistiken in neun Gebieten der USA für Bewohner über 65 Jahren fanden Sie heraus, dass zwar die Zahl der diagnostizierten Melanome zwischen 1986 und 2001 um das 2,5fache gestiegen, die Zahl der Todesfälle durch Melanome aber konstant geblieben war. (Parallel dazu die Entwicklung in Deutschland, wo die Todeszahlen sogar leicht rückläufig ist).
Bei der Suche nach einer Erklärung für dieses Phänomen fanden die Forscher heraus, dass im gleichen Zeitraum die Zahl der Hautkrebsuntersuchungen (Biopsien) ebenfalls um das 2,6fache gestiegen war.
Steigende Melanom-Rate ein "statistisches Phänomen"?
Das lege, so die Wissenschaftler, die Schlussfolgerung nahe, dass nicht die Zahl der tatsächlichen Hautkrebserkrankungen sondern lediglich die Zahl der Hautkrebs-Diagnosen gestiegen sei. Sie sprechen in ihrem Beitrag im British Medical Journal daher von "Overdiagnosis", "Überdiagnose".
"The incidence of melanoma is associated with biopsy rates. That the extra cases diagnosed were confined to early stage cancer while mortality remained stable suggests overdiagnosis--the increased incidence being largely the result of increased diagnostic scrutiny and not an increase in the incidence of disease," so die Zusammenfassung des Artikels in der BMJ.
H Gilbert Welch, et al."Skin biopsy rates and incidence of melanoma: population based ecological study", BMJ, (4 August 2005), als PDF im Internet.
Ähnliche Zweifel auch bei Statistiken zum "hellen Hautkrebs"
Ähnlich wie beim "schwarzen Hautkrebs" wird in den Medien auch für den "hellen Hautkrebs" ein rasanter Anstieg der Fälle vor allem bei jüngeren Menschen unter 40 Jahren konstatiert und prognostiziert. Tatsächlich aber kommen Studien, je nach Anlage, zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen.
So fanden Forscher bei einer Langzeitstudie in USA jetzt keinerlei Anstieg der diagnostizierten Fälle zwischen 1998 und 2003 bei Menschen unter 40 Jahren.
MM Bivens, et al., "Nonmelanoma skin cancer: is the incidence really increasing among patients younger than 40? A reexamination using 25 years of U.S. outpatient data." Dermatologic Surgery, December 1, 2006; 32(12): 1473-9
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